Der Kampf am Gartenzaun

geschrieben am 12.10.2017 von Dorothea Schneider

In der Gartensaison wird die Grundstücksgrenze gern zur Streitlinie. Die Gesetzeslage ist unübersichtlich und so landen unversöhnliche Streithähne nicht selten vor Gericht. Ein Schiedsverfahren kann helfen, einen tragfähigen Kompromiss zu  finden, wenn das gegenseitige Verständnis am Gartenzaun endet.

Bald ist die Outdoor- und Gartensaison vorüber und damit eine Zeit der – zuweilen auch unfreiwilligen – Geselligkeit. Denn am Gartenzaun treffen oft Welten aufeinander. Und wäre der Nachbar nicht so ein komischer Kauz, dann könnte man ja mit ihm reden, anstatt wegen eines überhängenden Astes oder zu dicht am Zaun stehender Hecken vor Gericht ziehen zu müssen.

„Es geht nicht nur um den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, wissen Schiedsleute wie Jürgen Faller. „Der Streit an der Gartengrenze hat meist eine lange Vorgeschichte.“ Und nicht selten entzündet sich der schwelende Konflikt an Nachbars Garten.


Übergriffige Objekte


Großes Streitpotenzial birgt die Grundstücksgrenze beim Einsatz übergriffiger Objekte. Dazu gehören nicht etwa nur Videokameras, die auf das Nachbargrundstück ausgerichtet sind, oder kameraausgestattete Drohnen, welche die Nachbarin beim Sonnenbaden filmen. Nein, bei den zudringlichen Objekten handelt es sich vor allem um Bäume oder Sträucher, die des Nachbarn Grundstück verschatten oder um Äste oder Zweige, die über die Grundstücksgrenze wachsen. Und sehr häufig auch um Gehölze, die zu dicht am Zaun stehen.

Grundsätzlich gilt: „Jeder Eigentümer darf auf seinem Grundstück die Bäume und Pflanzen setzen, die er will“, so Kai Warnecke vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Wenn Pflanzenteile Garten oder Haus des Nachbarn stark beeinträchtigen, muss der Besitzer der „feindlichen“ Bäume oder Hecken Abhilfe schaffen. Das gilt zum Beispiel dann, wenn wegen des Schattens jenseits des Zauns kein Gemüse mehr wächst oder wenn Wurzeln das Nachbarhaus beschädigen.

Wenn der Verursacher nach einer angemessenen Frist nicht reagiert, kann der Nachbar, der sich gestört fühlt, selbst zur Tat schreiten und zum Beispiel Äste abschneiden oder Wurzeln an der Grundstücksgrenze kappen. Sind es die Äste eines Obstbaumes, die in den eigenen Garten wachsen, darf man das Obst nicht - quasi zum Ausgleich - essen, sondern muss warten, bis es von selbst heruntergefallen sind.


Uneinheitliche Rechtsprechung


Die Grenzabstände von größeren Gehölzen und Hecken sind im sogenannten Nachbarrecht geregelt - und das variiert von Bundesland zu Bundesland. Daher fallen auch die zahlreichen Urteile unterschiedlich aus und gelten nur für den jeweiligen Einzelfall. Um Streit von Haus aus zu vermeiden, sollte man also die Paragraphen des jeweiligen Landesrechts lesen und auf etwaige Vorgaben der Kommunen achten.

Um zu vermeiden, dass solche Fälle mit unabsehbarem Ausgang in die langwierigen und kostspieligen Mühlen der Justiz geraten, gibt es Schiedsverfahren. Zerstrittene Nachbarn dürfen erst klagen, wenn eine vorausgehende außergerichtliche Streitbeilegung vor einer Gütestelle erfolglos blieb.

Sollte der Nachbar nicht mit sich reden lassen, so kann das Hinzuziehen eines unparteiischen Schiedsmannes bzw. -frau helfen, einen Kompromiss zu  finden, mit dem beide Parteien auf Dauer leben können.

Quellen: Haus & Grund Deutschland, dejure. org, jurion.de, Ratgeber Westdeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, Augsburger Allgemeine

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