Fachbeitrag des Monats: Bezahlbare Unterkünfte dank Baukastenprinzip

geschrieben am 17.07.2017 von Dorothea Schneider

Die Plattenbauweise mit vorgefertigten Betonteilen bescherte der modularen Bautechnik einen schlechten Ruf. „Arbeiterschließfächer“ nannte man die stereotypen Plattenbauten der Fünfzigerjahre in der DDR. Heute gibt sich modulares Bauen experimentell und visionär und ist nicht nur im Sozialen Wohnungsbau gefragt.

„Mindestens 350.000 Wohnungen sind nötig, um den sozialen Frieden nicht zu gefährden“, sagte Bauministerin Barbara Hendricks im März 2016 auf dem Nationalen Kongress zum Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen in Berlin. Eine schwierige Aufgabe angesichts ständig steigender Standards, welche die Baukosten, und damit die Mieten, in die Höhe treiben.

Modulares Bauen erwies sich bald als ein probates Mittel, um in kurzer Zeit bezahlbare Unterkünfte zu schaffen - nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für Studenten, Senioren und junge Familien. Beim Bauen mit Modulen werden nämlich vollständig montierte Bauteile und sogar komplett ausgestattete Wohneinheiten in der Fabrik vorgefertigt und an Ort und Stelle wie Legosteine eines riesigen Baukastens zusammengesetzt.

Bezahlbare Klasse statt gestaltlose Masse


„Hinzu kommt, dass mittlerweile durch serielle Bauweise nicht nur kostengünstig, sondern auch hochwertig gebaut werden kann“, heißt es im Statement zur Wohnungspolitik vom deutschen Städte- und Gemeindebund „Position“. Flexibel nutzbare Bauten aus nachhaltigen Materialien seien temporären Unterkünften wie Containern vorzuziehen. Wohnungspolitik ist also heute auch eine Frage der Bautechnik.

Doch nicht nur im Sozialen Wohnungsbau ist das modulare Bauen en vogue. Neben Hausanbietern greifen auch Architekten zunehmend das Thema der vorgefertigten Module auf. Denn die Vorfertigung im Werk spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern bedeutet auch größere Planungs- und damit Kostensicherheit für den Bauherren sowie mehr Mobilität und Flexibilität: So können einzelne Module auch auf Zeit aufgestellt und später wieder abgebaut werden, etwa, wenn der Nachwuchs flügge wird.

Vom Feriendomizil bis zum Anbaumodul


Neben Mini-Atelierhäusern und komplett bezugsfertigen kleinen Feriendomizilen gehören zum Sortiment einiger moderner Hausanbieter auch Anbaumodule, die man sogar mieten kann. Durch einen Windfang werden sie mit dem Haupthaus verbunden. Es ist auch möglich, das Eigenheim oder auch ein Mehrfamilienhaus aus einzelnen vorgefertigten Systembauteilen zu- sammenzusetzen, indem eine Vielzahl von Modulelementen zu einer Gruppe zusammengestellt wird. So gibt es Bausätze für die Gebäudehülle mit Stützen, Balken, Fenster oder Türen.

Der Kunde bekommt also ein individuelles Haus, während die Baufirma die Herstellungszeit der Module durch serielle Produktion reduzieren kann. Da vor Ort nur noch Wasser und Strom angeschlossen werden müssen, ist das Modulhaus innerhalb weniger Tage bezugsfertig.

Quellen: sueddeutsche.de, afa-architekturmagazin. de, schoener-wohnen.de, adk.info, derbauherr.de, museenkoeln.de, bundesregierung.de, bmub.bund.de

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